Roter BÜgel - eine Novelle von Peter Baumgartner
Delphisch
Das Ganze war doch mehr als rätselhaft. Die Story war geheimnisvoll, doppelsinnig und schwer zu verstehen. Zuviel spielte in einander und zu viel war für ihn unverständlich oder richtig einzuordnen. Philippe stand vor einem Rätsel; ähnlich wie vor einem Orakel, das er nicht richtig deuten konnte.
Trotzdem wollte Philippe sich der Sache annehmen und ihr auf den Grund gehen. Was er dabei erlebte, sprengte alles, was er sich vorstellen konnte. Die Abgründe menschlichen Verhaltens taten sich ihm auf, und er verstand die Welt nicht mehr. - Ihm kam nur ein Begriff hierfür in den Sinn, und dieser lautete:
delphisch
Dies beinhaltete für ihn so alles, was unfassbar und unverständlich war. Umso mehr fühlte er sich herausgefordert. Wahrscheinlich waren dies die Nachwehen aus seiner früheren beruflichen Tätigkeit. Andere nennen dies
déformation professionelle oder nochmals anders ausgedrückt: Die verinnerlichte Neigung, das im Laufe der Jahre erworbene Denk- und Verhaltensmuster auf andere Lebensbereiche zu übertragen.
Leseprobe
Es war an einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag, als Philippe und Fred sich auf ein Bierchen und einen Gedankenaustausch im Landgasthof treffen wollten. Das Wetter war garstig, und Philippe, der als erster die Gaststätte betrat, wählte für das Treffen die Dorfstube, da ihm diese zusagte, und er das rustikale Ambiente schätzte. Der Landgasthof selber wurde vor langer Zeit erbaut und hat seit 1999 sein heutiges Aussehen. Die Dorfstube mit den Fotos aller Gemeinderatspräsidenten von Schönbühl seit 1897 lädt zum Verweilen ein. Und so ist es tatsächlich.
Philippe bestellte sich bei der freundlichen Bedienung eine Flasche «Reist Bier» aus Bäriswil (BE), einem kleinen Nachbarsdorf von Schönbühl, welches nicht überall erhältlich gemacht werden kann, aber umso besser schmeckt. Schon nach dem ersten Schluck traf auch Fred ein und die beiden begrüssten sich herzlich. Sie hatten sich schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Fred war längere Zeit Korrespondent für das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und berichtete regelmässig aus Nah und Fern. Nun war er nach Bern zurückgekehrt, wo er, wie schon früher, dem Bundesrat mit seinem messerscharfen Verstand und seiner besonderen Fähigkeit, das Zeitgeschehen nicht nur richtig einzuordnen, sondern erst noch gekonnt aufs Papier bringen zu können, zur Verfügung stand.
…
«Nun erzähl aber du Fred, wie es dir in der Zwischenzeit ergangen ist?» «Eigentlich ganz gut, dann aber doch wieder nicht so, wie ich es mir erhofft habe. Du weisst, dass meine Mutter vor einiger Zeit verstorben ist, und nun habe ich auch noch die Mitteilung erhalten, dass meine Schwester ebenfalls gestorben ist. Die Meldung habe ich von einem Notar und nicht von meinem Schwager erhalten … aus welchem Grund auch immer. Aus der letztwilligen Verfügung meiner Schwester geht nun hervor, dass sie mich als Erbe ausgeschlossen hat. Gut, damit kann ich leben. Was mich hingegen stutzig macht, ist die Art und Weise, wie ich von ihrem Tod erfahren habe. Das ist für mich doch sehr befremdend, und ich kann es nicht richtig einordnen.» «Tja, und was willst du damit andeuten?» «Ich habe den unschönen Verdacht, dass hinter dem Tod meiner Schwester mehr steckt, als was ich bisher weiss. Ich muss leider davon ausgehen, dass mein Schwager nicht ganz sauber ‘über das Nierstück’ ist und eben das macht mich stutzig.» «Und womit begründest du deinen Verdacht?»
Da draußen ist der Wahnsinn
Da draußen ist der Wahnsinn
Sie treiben Spiele, basteln Gänseblümchenketten, machen Witze
Ich muss die Verrückten im Zaum halten
Der Wahnsinn dringt schon vor bis in die Eingangshalle
Der Wahnsinn dringt schon vor bis in MEINE Eingangshalle
Die Nachrichten in der Zeitung lässt denen ihre Köpfe hängen
Und jeden Tag bringt der Kurier neue.
Und sollte der Staudamm (in Deinem Kopf) auf Jahre zu früh brechen
Und solltest Du dann nicht mehr die Kurve kriegen.
Und wenn auch Dein Kopf vor dunklen Vorahnungen schon explodiert
Dann bist Du, wie ich, herzlich willkommen auf der Schattenseite Deiner Persönlichkeit
~
https://musikguru.de/pink-floyd/songtext-brain-damage-465051.html
Brain Damage / Pink Floyd


