Imagine / John Lennon

Kurz zum Inhalt


«Pasquale Sütterli ist mein Name und ich arbeite, wie ich es ihnen schon gesagt habe, fürs Aussendepartement. Ihre

Telefonnummer habe ich von einem gemeinsamen Bekannten erhalten, um damit ihre Frage vorweg zu nehmen. Auch weiss ich, dass Sie seit einigen Jahren in Pension stehen und somit über eine gewisse freie Zeit verfügen. Schliesslich ist mir bekannt, dass

sie nicht allzu gut auf die Politik und die Politiker in unserem Land zu sprechen sind. Ihnen eilt der Ruf voraus, dass sie alles hinterfragen und dem Säuhäfeli und Säudeckeli nichts abgewinnen können.»


Frau Sütterli führte in der Folge aus, was folgt: Das Aussendepartement habe von einer vertraulichen Quelle aus Athen

Informationen erhalten, wonach ranghohe Beamte beim Bundesamt für Polizei und auch bei der Bundesanwaltschaft in eine Korruptionsaffäre verwickelt seien. Auch hohe Mitarbeiter bei einzelnen Kantons Polizeien der Schweiz seien darin verwickelt.

Es gehe um Millionenbeträge, und das Ausmass der Verbrechen sei momentan noch völlig offen. Schlimm sei, dass nach dem heutigen Wissensstand niemand ausgeschlossen und folglich auch niemandem vertraut werden könne. Sie selber sei von der Generalsekretärin des EDA damit betraut worden, sich in geeigneter Art und Weise der Sache anzunehmen.


Philippe konnte kaum glauben, was er da zu hören bekam. Als erstes erkundigte er sich danach, woher sie denn ihre

Informationen habe. Frau Sütterli präzisierte, dass die Quelle ihrer Informationen von einer Vertrauensperson aus Priština

stamme, und diese ihre Informationen wiederum von einem Mittelsmann aus Tirana habe. – Also, alles vom Hörensagen, dachte Philippe.

Nichts Handfestes, was soll denn das Ganze?


...


«Du, Philippe, nun zu etwas ganz anderem. Offensichtlich rumort es ganz gewaltig in den Gebälken. Und dies vor allem bei

der Staatsanwaltschaft. Hast du davon schon etwas gehört?» - «Nein, sagt mir gar nicht.» «Doch, doch, da muss etwas am

Tun sein.» - Und Fred holte aus:


Schon vor etwas mehr als einer Woche sei ihm zu Ohren gekommen, dass in der Staatsanwaltschaft nicht alles zum Besten

stehe und mit rechten Dingen zu und her gehe. Da werde gemunkelt und gemauschelt, Kollegen würden angefeindet und

verhöhnt, andere wiederum angekreidet und denunziert, so dass einem fast übel werde. Es werde auch portiert, dass

diverse Staatsanwälte Dreck am Stecken hätten. Die einen seien völlig der Sucht, vor allem dem Alkohol verfallen, andere

würden sich gar gegen Bezahlung «anfüttern» lassen und wieder andere würden ob ihrer Inkompetenz völlig abstruse und

unhaltbare Urteile fällen. Alles in allem eine haarsträubende Geschichte, die vielleicht noch grosse Wellen werfen werde.


Der Aufsicht seien die Fälle im Ansatz bekannt, sie mache jedoch aus Bequemlichkeit nichts und wolle das Ganze lieber

aussitzen. Als lapidare Begründung werde erkannt, dass es hierfür ja den «Instanzenweg» gebe und dass die «dort oben»

schon zum Rechten schauen würden.


Nun sei es aber so, dass auch bei denen «dort oben» nicht alles zum Besten bestellt sei. Der Frust bei den Oberen sei enorm,

und der Wille einzuschreiten oder gar durchzugreifen sei nirgendwo vorhanden. Man lasse das Ganze einfach so vor sich hinplätschern.


«Und woher hast du deine Informationen?», so die Nachfrage von Philippe. Ein Parlamentarier habe ihm diese gesteckt, und es

sei zu erwarten, dass er einen Vorstoss im Parlament machen werde. «Uff, das tönt nicht gut!», so die ernüchterte Feststellung

von Philippe. «Ja, das tönt ganz und gar nicht gut», so der Kommentar von Fred.


Es werden Erinnerungen wach, als vor gut 35 Jahren fast das ganze Establishment auf der Anklagebank sass.

(Zeitung «Der Bund» vom 15. August 2014) 


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ISBN 9783565412037

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